Wenn Sie einen offiziellen Text z.B. für Ihr nächstes firmeninternes
Meeting entwerfen, dann lassen Sie sich nicht
dazu verleiten, sogenannte "In- Ausdrücke",
die Sie in der letzten Talkshow oder dem letzten
Hollywood-Kassenschlager aufgeschnappt haben,
zu verwenden. Der Wunsch, sich auf diese Weise
spontan, jugendlich und up-to-date zu zeigen,
kann auch nach hinten losgehen. Denn nicht
jeder neue Ausdruck der Umgangssprache hält
dem Kontext eines Firmenmeetings oder eines
Kaufvertrags Ihrer Firma stand.
Als Umgangssprache bezeichnet man eine breite Skala von linguistischen Phänomenen,
die von regionalen, soziologischen und gruppenspezifischen
Gegebenheiten beeinflußt wird. Dennoch
könnte man auch kurz zusammenfassend
und generalisierend sagen: Die Umgangssprache
ist die "Sprache der Straße".
Ein Medium, das unsere sich immer schneller
verändernde Gesellschaft reflektiert
und konkretisiert. Eine Sprache, die von der
Jugend und ihren Bedürfnissen und dem
Verlangen nach Neuem geprägt ist, der
unterschwellige Bedeutungen zugemessen werden,
die nur von einigen "Eingeweihten"
verstanden werden. Umgangssprache ist metaphorischer
und vergänglicher als die Hoch- oder
Standard-Sprache.
Was aber nicht vergessen werden sollte, ist, daß die Umgangssprache fast
ausschließlich in der gesprochenen Sprache
verwendet wird, so daß seine Übertragung
in die Schriftsprache im allgemeinen völlig
fehl am Platze wirkt- wenn auch die Verwendung
einiger "neuer" Worte gar nicht
inkorrekt wären.
Die verlockende Abkürzung
Wer ertappt sich selbst denn nie dabei, in
eigenen Notizen die erstaunlichsten Abkürzungen
für so ziemlich alles zu finden?
Auch in persönlichen oder gar offiziellen
Mitteilungen wird so "einmal" zu
"'mal" oder "etwas" zu
"'was". Die Erklärung dieses
Phänomens liegt in der sogenannten Sprachökonomie,
die jeder Sprache innewohnt. Somit werden
vor allem in der gesprochenden Sprache Worte
abgekürzt und miteinander verflochten,
so daß ein einziger Redefluß entsteht
(das hört sich dann etwa so an: "Dann
woll'n wa 'mal..." Während das harmlose
'mal oder 'was in nicht hochoffiziellen Texten
(z.B. persönlichen Briefen oder Mitteilungen)
an einen bekannten Leser durchaus akzeptabel
ist, ist das zweite Beispiel zwar allen Schnellrednern
zu eigen, sollte allerdings in offiziellen
Texten und Dokumenten auf jeden Fall vermieden
werden, auch wenn man sein Gegenüber
bzw. den Leser noch so gut zu kennen glaubt.
Umgangssprache gegen Idiome
Auch um die idiomatischen Ausdrücke ist
es im formellen Kontext nicht gerade gut bestellt.
Unter einem Idiom versteht man dabei eine
Redewendung, deren Gesamtbedeutung nicht aus
der Bedeutung der Einzelwörter erschlossen
werden kann. Wer würde auch bei einem
noch so nett gemeinten "Eine Hand wäscht
die andere" nicht erstaunt seinen Geschäftspartner
anblicken und seine Ernsthaftigkeit, bzw.
Kompetenz anzweifeln?
Abschließend kann also gesagt werden: Hände weg von Idiomen und Ausdrücken
aus der Umgangssprache, wenn man sich in einem
formellen Kontext bewegt. Denn der Kontext
muß ganz einfach stimmen. Und in diesem
Fall tut er es eben nicht. Heben Sie sich
Ihre neuen Worte - und sollten sie Ihnen noch
so viel Spaß bereiten - lieber für
Ihren nächsten Abend unter Freunden auf.
Das kommt einfach besser!