Manche (Halb)präfixe und (Halb)suffixe werden unter dem Einfluss des Englischen
besonders produktiv, z.B.:
- best-: bestbekannt, bestinformiert,
bestbezahlt, bestgehasst;
- Ex-: Exau§enminister,
Exweltmeister, Exgattin;
- Mini-: Minigolf, Minikleid,
Minibus, Ministaubsauger;
- Monster-: Monsterprogramm,
Monsterprozess, Monsterschau, Monsterveranstaltung;
- super-/Super-: superschnell,
supersanft; Superbombe, Supermacht, Supermarkt;
- Top-: Toplage, Topausstattung,
Topleistung;
- -bewusst (nach: -conscious): preisbewusst, körperbewusst, modebewusst;
- -weit (nach: -wide):
weltweit, bundesweit.
Im
Bereich der Wortzusammensetzung ist einmal
auf englisch-deutsche Mischbildungen wie Livesendung,
Popsänger, Fußballfan, Discountladen,
Werbespot, Spikesreifen, Mauspad hinzuweisen.
Ferner gehen auf englischen Einfluss direkte
Zusammensetzungen anstelle präpositionaler
Fügungen zurück: Ministerreise
/ die Reise des Ministers nach Tokio, Berlinbesuch
/ Besuch in Berlin, Helsinkikonferenz / Konferenz
in Helsinki, EU-Beitritt / Beitritt in die
EU.
Schließlich
haben auch Verbableitungen aus Substantiven
wie leitartikeln, lichthupen, dauerparken,
bausparen, not-/zwischenlanden, schutzimpfen
Parallelen in der Wortbildung des Englischen.
3.
Syntax
Als
Einzelerscheinung ist hier die vom Englischen
beeinflusste Fügung in + Jahreszahl
(in 1997) für im Jahre
+ Jahreszahl anzuführen. Auch die besonders
in Pressepublikationen zu beobachtende Umstellung
von Subjekt und Prädikat in Formulierungen
wie Schimpfe Dortmunds Trainer H.Z.: ...
Schwärme Regisseurin Agnes Varda schon
jetzt: ... hat Parallelen im Englischen.
Sodann
wird die transitive Verwendung einiger eigentlich
intransitiver Verben auf englischen Einfluss
zurückgeführt (einen Wagen fahren,
jemanden boxen [für: gegen jmdn. boxen].
Was fliegen deutsche Manager?)
Imperative
wie Fliegen Sie...! für Fliegen
Sie mit...! oder ähnlichem, die verstärkt
in der Werbesprache auftauchen, lassen sich
ebenfalls mit englischen Vorbildern in Zusammenhang
bringen.
Auch
vorangestellte Genetivattribute, wie Bayerns
große Familienbrauerei, Stuttgarts beliebteste
Showband, Roms Priester, wären ohne
die entsprechende englische Konstruktion gewiss
seltener in der deutschen Zeitungssprache
anzutreffen.
Schließlich
kann auch der Ersatz des Passivs oder einer
passivischen Ersatzkonstruktion durch das
Aktiv bei einigen Verben mit der Einwirkung
des Englischen erklärt werden:
Die
BZ verkauft 160 000 Exemplare (nach:
the book sells 10 000 copies). (Ähnlich:)
Das Geschäft öffnet morgen.
Aus
dem IT-Bereich ist der Gebrauch von englischen
Fachbegriffen nicht mehr wegzudenken. Angefangen
beim Computer und Hard-/Software,
über Megabites bis hin zum Scanner
als wichtiges Equipment gibt es seit
einigen Jahren nun auch das Internet,
zu dem man als erstes einen Access
benötigt. Es wird nichts mehr daraus
heruntergeladen, sondern downgeloaded
(man beachte die deutsche Konjugation). Die
neuesten, interaktiven Websites und
Homepages sind in aller Munde, ohne
E-Mail Adresse ist man ein Nichts,
und surfen impliziert schon lange keinen
Strand oder Wasser mehr.
Auch
der Mobilfunk bedient sich kräftig aus
der englischen Sprache. Das Handy (engl.:
handlich) heißt zwar im Englischen selbst
mobile, aber so wie der mobile Anrufbeantworter
zur Mailbox mutiert ist, wird wapen
bald wohl auch alltäglich werden.
Stellenanzeigen
lesen sich mittlerweile auch besser mit dem
Wörterbuch in der freien Hand, sie sind
dann einfacher zu handlen. Da wird
zum Recruiting oder Assessment Center
eingeladen, in Trainee Programmen lernt
man on the job, was bei manchen die
Hoffnung weckt, nach vielen Meetings
baldmöglichst zum Manager- oder
zumindest zum Chief Consultant aufzusteigen.
Ansonsten
werden heutzutage gerne News ausgetauscht,
man geht zu angesagten Events, in In-Clubs
der Szene, wo nicht ausschließlich Chartmusik
läuft, aber nur Mainstream ist
auf die Dauer ja auch langweilig. Es wird
die geeignete Location für die
eigene Party gesucht, die natürlich total
hip sein muss. Cool statt hot
bzw. top und nicht flop zu sein
ist das tägliche Bestreben des modernen
Menschen, hauptsächlich wohl des Teenies
oder Twens, so dass die gute alte Cola
auch schnell mal zur Coke wird. Aber
- don't worry: alles easy.