Das
Wort - die Wörter - die Worte
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Eine Sprache besteht aus Wörtern. Und von Wörtern soll hier die Rede
sein: von ihren Formen, von ihrer Bildung
und von ihrem richtigen Gebrauch.
Von Wörtern wollen wir also sprechen, nicht von Worten. Die beiden Pluralformen
werden oft verwechselt. Und dabei hat ihnen
der Sprachgebrauch doch ganz verschiedene
Bedeutungen zugewiesen. - Was ist denn ein
Wort? Was sind Wörter,
was sind Worte?
Jedes Wort ist eine selbständige Einheit, die aus Lauten besteht und eine
bestimmte Bedeutung oder zum mindesten eine
Funktion in der Sprache hat. Das Ineinanderwirken
von Lautform und Bedeutungsgehalt ist so stark,
daß wir auch Wortformen, die erheblich
voneinander abweichen, als Ausprägungen
ein und desselben Wortes erkennen und akzeptieren:
denken - ich dachte; schneiden
- er schnitt; du stehst - wir
standen; gut - besser -
am besten. Ja, es wird uns nicht einmal
bewu§t, da§ etwa die Wörter bin
- seid - war ganz verschiedene
Stämme enthalten. Wir gebrauchen sie
unbefangen als Formen des einen Zeitworts
"sein".
Hier zeigt sich also schon ein erster Unterschied: Die Wörter im Satz,
die wir beim Sprechen und Schreiben je nach
Bedarf in dieser oder jener Form verwende,
sind etwas anderes als die Wörter im
Wörterbuch. Wer z.B. die Häufigkeit
von Wörtern feststellen will, muß
erst einmal die gebräuchlichen Wortformen
(die Wörter im Text) zählen. Erst
wenn er weiß, wie oft "ist",
"war", "sind", "sei"
usw. In einem Text vorkommen, kann er sagen,
welche Häufigkeit das Zeitwort "sein"
in diesem Text hat. Und dabei muß er
noch die Fälle ausscheiden, in denen
"sein" das Possessivpronomen ist.
So sind also "Wort" und "Wort", sind "Wörter"
und "Wörter" als Begriffe nicht
das gleiche. Nur eines haben sie gemeinsam:
Wo die Mehrzahlform Wörter gebraucht
wird, da sind immer die einzelnen Lautgebilde
gemeint:
Es gibt lange, kurze,
ein- und mehrsilbige, groß und klein
geschriebene Wörter, schwierige,
neue, veraltete, geläufige, drastische,
derbe, unanständige Wörter.
Man kann Wörter zählen, buchstabieren,
einsetzen oder streichen. Die Wörter
"Beat" und "Sound" sind
aus dem Englischen entlehnt worden.
Ist dagegen das Wort als Träger eines Sinnes gemeint, dann tritt im allgemeinen
die Pluralform Worte ein:
Die Worte "Frieden"
und "Freiheit" werden oft mißbraucht.
"Freizeit" und "Mitbestimmung"
sind zentrale Worte der modernen Gesellschaft.
Könnte man hier im letzten Beispiel auch Wörter sagen, so ist
das nicht mehr möglich, wenn Wort
im Sinne von "Ausspruch, Äußerung,
zusammenhängender Text" gebraucht
wird. Hier ist nur der Plural Worte
möglich:
Er richtete ein Paar
freundliche Worte an die Besucher.
Seine Worte werde ich nie vergessen.
In wenigen Worten informierte er uns.
Aber Ausnahmen gibt es natürlich auch: Das Sprichwort, das doch
ein Ausspruch ist, hat den Plural Sprichwörter,
und das Lösungswort (die militärische
Parole) hat gewöhnlich den Plural Lösungsworte.
Zwei Plurale hat z.B. Stichwort: Im Lexikon und Wörterbuch werden die Stichwörter
erläutert und vom Benutzer aufgesucht.
Den Text eines Referats aber kann man nur
in Stichwörter notieren, d.h.
in Bruchstücken des Ganzen. Auch der
Schauspieler, der auf sein Stichwort
wartet, hat sich die Endworte seines Partners
als Stichworte, nicht als Stichwörter,
im Rollenmanuskript notiert.
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