Wenn man eine Sprache lernt, gehören feste Wendungen und Sprichwörter
dazu. Sie haben immer eine besondere Bedeutung,
die nicht leicht zu übersetzen ist und
oft in den Wörterbüchern nicht zu
finden ist. Sie sind besonders typisch für
eine Sprache und man findet sie überall.
Redewendungen stammen aus den verschiedensten
Lebensbereichen, viele beziehen sich auf Lebensumstände
und Vorstellungen, die uns fremd geworden
sind, weil sich die Zeiten und die kulturellen
Verhältnisse geändert haben. Für
Menschen, die die deutsche Sprache lernen,
ist es dadurch noch schwieriger, den Sinn
bestimmter Wendungen zu verstehen, da die
Wurzeln nicht mehr nachvollziehbar sind.
Viele feste Redewendungen hat das Deutsche immer wieder aus fremden Sprachen
aufgenommen und sie im Laufe der Zeit im deutschen
Wortschatz eingegliedert. Beispiele hierfür
sind Last but not least, à la bonne
heure, Status quo, en passant, en vogue, vis-à-vis,
Accessoire...Oft werden auch Redewendungen
anderer Sprachen ins Deutsche übersetzt.
Zum Beispiel: eiserner Vorhang (nach
engl. iron curtain) oder das Gesicht
verlieren (nach engl. lose face).
Im folgenden sollen einige sehr geläufige Redewendungen der deutschen Sprache
vorgestellt werden, die vom Wortlaut her nicht
unbedingt auf die Bedeutung schließen
lassen.
"Kalter Kaffee": Das ist doch alles kalter Kaffee, was er da redet.
Diese Redewendung bedeutet, das ist alles
schon längst bekannt, nichts Neues mehr.
Die Wendung bezieht sich darauf, daß
Kaffee, wenn er kalt wird, sein Aroma verliert.
"Der letzte Schrei": Sie kleidet sich immer nach dem letzten Schrei.
Diese Redewendung bedeutet, daß es sich
um die neueste Mode handelt. Diese
Wendung ist eine Lehnübersetzung des
gleichbedeutenden französischen "le
dernier cri". Der Ursprung dieser Wendung
ist nicht geklärt.
"rote Zahlen schreiben": Seit zwei Jahren schreibt der Konzern
rote Zahlen. Diese Redewendung bedeutet,
der Konzern macht Verluste. Die Wendungen
beziehen sich auf die kaufmännische Bilanz,
in der traditionell die Zahlen eines Defizits
rot geschrieben werden.
"schwarze Zahlen schreiben": Der Betrieb wurde saniert und schreibt
jetzt wieder schwarze Zahlen. Diese Redewendung
bedeutet, der Betrieb macht Gewinne.
In der kaufmännischen Bilanz werden die
Gewinne schwarz geschrieben.
"Die Bilanz ziehen": Wir müssen endlich die Bilanz aus drei
Jahren Beziehung ziehen. Diese Redewendung
bedeutet, das Ergebnis von etwas feststellen
und kommt ebenfalls aus dem kaufmännischen
Bereich.
"Einer Sache Rechnung tragen": Die Arbeiter müssen der Tatsache
Rechnung tragen, daß die Gehälter
nicht steigen werden. Diese Redewendung
bedeutet, eine Tatsache muß berücksichtigt
werden. Bei dieser Wendung handelt es sich
wahrscheinlich um eine Lehnübersetzung
des italienischen "portare conto"
(= Rechnung ablegen) aus der italienischen
Kaufmannssprache.
"In der Kreide stehen": Er steht bei seinem Bruder mit 10.000 DM
in der Kreide. Diese Redewendung bedeutet
Schulden haben. Dieser Ausdruck geht
darauf zurück, daß früher
der Wirt eines Gasthauses die Schulden seiner
Gäste mit Kreide auf einer Tafel notierte.
"Es ist nicht alles Gold, was glänzt": Auf den ersten Blick scheinen
die Menschen in dieser Gesellschaft glücklich
zu sein, aber es ist nicht alle Gold, was
glänzt. Dieser Ausspruch bedeutet,
der äußere Schein ist oft trügerisch
und nicht alles ist so, wie es scheint.
"Wer den Pfennig nicht ehrt, ist den Taler nicht wert": Dies ist ein
Sprichwort, das zum Ausdruck bringen soll,
daß derjenige, der mit kleinen Beträgen
achtlos umgeht, es nicht zu finanziellem Wohlstand
bringen wird.
Natürlich gibt noch unzählige Redewendungen und Sprichwörter,
eines für alle Lebenslagen. Auch das
ist ein Sprichwort.