Wie bitte? Nein, das ist nun wirklich kein deutscher Satz. Und warum nicht ?
Mit "weil" werden Kausalsätze,
Begründungssätze eingeleitet:
Wir freuen uns, weil heute Besuch kommt.
Er kann nicht arbeiten, weil er krank ist.
Immer steht in diesen Sätzen die Personalform des Prädikats am Ende,
und diese Nebensätze müssen immer
die gleiche Wortstellung haben, wie alle abhängigen
Sätze mit Einleitewort.
Trotzdem hören wir in Gesprächen immer wieder Sätze folgender
Art:
Das ist schlecht, weil in der Stadt findet man so schwer einen Parkplatz.
Heute wollte er zu Hause bleiben, weil
er ist nämlich krank.
Ich habe in Schweden nie gefroren, weil
ich war immer dick angezogen.
Diese Sätze oder zumindest diese Satzstellungen haben wir alle schon einmal
gehört und bestimmt auch schon selbst
gesprochen. Aber keiner würde wohl solche
Sätze schreiben. Sie sind das Ergebnis
lebhafter gesprochener Sprache.
Mit dieser Feststellung kann man sich schon einer Erklärung für dieses
Phänomen nähern.
Der Sprecher will eine Begründung geben,
er setzt an: "weil..." Aber der
Inhalt der Begründung füllt sein
Denken so aus, drängt sich so in den
Vordergrund, daß ein Hauptsatz daraus
wird. Die Beispiele zeigen dies sehr deutlich.
Steht also "weil" nicht mehr als untergeordnete Konjunktion, sondern
nebenordnend vor einem Hauptsatz? Manchmal,
aber nur manchmal macht der Sprecher nach
dem "weil" eine kleine Pause. Würde
dies geschrieben werden, könnte an der
Stelle vor dem "weil" auch ein Gedankenstrich
oder ein Doppelpunkt stehen. Der Grammatiker
spricht dann von einem Satzbruch: Der mit
"weil" begonnene Satz wird nicht
fortgeführt, sondern sprunghaft neu begonnen.
Die meisten, die "weil" so verwenden,
sind aber schon über den Satzbruch hinausgelangt
und machen keine Pause, sondern leiten tatsächlich
einen Hauptsatz mit "weil" ein.
Diese Konjunktion ist aber im deutschen grammatischen System der Kausalbeziehungen
unentbehrlich zur Einleitung von Nebensätzen.
Neben dem gleichfalls kausalen, aber schwächeren
"da" wird sie überall gebraucht,
wo für das Geschehen im Hauptsatz ein
gewichtiger, neuer Grund angeführt werden
soll. Nehmen wir ein Beispiel: Der Satz "Da
ich ihn kenne, vertraue ich ihm" stellt
fest, dass die Voraussetzung für das
Vertauen vorliegt: "da ich ihn kenne".
Anders der Satz "Ich vertraue ihm, denn
ich kenne ihn." Das sind zwei Feststellungen,
beide in Hauptsatzform, die das "denn"
aufeinander bezieht.
Dringt nun "weil" in die nebenordnende Funktion des "denn"
ein? Löst sich die kausale Beziehung
von Haupt-und Nebensatz in bloße Satzreihen
auf? Das wäre schade. Vor allem aber:
Es geht nicht an, daß eine Konjunktion
nach Bedarf unterordnende oder nebenordnende
Funktion hat, unsere Sprache würde in
einem wesentlichen Bereich mehrdeutig und
unklar.
Wir sollten darauf achten, daß solche Sätze nicht überhandnehmen.
Dies gilt auch für die folgenden, leicht zweckentfremdeten, Satzkonstruktionen:
"Nachdem Du mein Freund bist, könntest
Du mir mal 10 DM leihen."
Man kann sich wundern, dennoch ist auch dies
wieder eine Satzkonstruktion, die (leider!)
immer wieder zu hören ist, aber auf keinen
Fall der geschriebenen Sprache angehört!
Mit dem Satz ist gemeint, da§ der Sprecher
feststellt, da§ der andere sein Freund ist.
Wir würden sagen: Weil du mein Freund bist, könntest du mir
einmal 10 DM leihen.
"Nachdem", das hier für "weil" oder "da"
gebraucht wird, darf in korrektem Deutsch
nur einen Zeitsatz einleiten, es ist eine
temporale Konjunktion, und zwar eine, die
Vorzeitigkeit ausdrückt:
Nachdem er gegessen hatte, ging er an die Arbeit.
Nachdem sich der Vorhang geöffnet hat,
sieht man erst nichts.
Bei nachdem steht also entweder das Plusquamperfekt oder das Perfekt.
Der Nebensatz mit nachdem kann auch
Nachsatz sein: Er ging an die Arbeit, nachdem
er gegessen hatte.
Auch hier muß auf den richtigen Gebrauch geachtet werden, und solche Sätze
sollten so weit wie möglich vermieden
werden.