Gleichklingende, aber verschieden geschriebene Wörter
in der deutschen Sprache
Ein Vorteil für deutsch Lernende besteht ohne Zweifel in der Aussprache
des Deutschen, da sie, im Gegensatz zu der
englischen und französischen Aussprache,
genau dem geschriebenen Wort entspricht. Die
einfache Aussprache der Buchstabenreihenfolge
ergibt also in der Regel die korrekte Lautfolge
deutscher Wörter. Dennoch weist die deutsche
Sprache eine Vielzahl von gleichklingenden
Wörtern auf, die unterschiedlich geschrieben
werden und natürlich unterschiedlicher
Bedeutung sind. Diese "Zweifelsfälle"
bereiten auch deutschen Muttersprachlern immer
wieder Probleme.
Die unterschiedliche Schreibweise der deutschen Präfixe ent- und
end- führt sehr oft zu Rechtschreibfehlern:
end- wird von dem Wort das Ende abgeleitet
und beispielsweise in den Komposita Enderfolg,
endgültig, endlich, Endpunkt, Endrunde,
Endsilbe usw. verwendet, die alle auf
ein Ende oder einen Abschluß hinweisen.
Die Bedeutung der Vorsilbe ent- kann
hingegen nicht eindeutig festgelegt werden.
Hier einige Anwendungsbeispiele: enttäuschen,
entzünden, entscheiden, entziffern.
Beachte, daß diese Vorsilben nichts
mit dem Ende zu tun haben.
Die Unterscheidung zwischen ä
und e bereitet nicht nur deutsch Lernenden,
sondern auch Muttersprachlern häufig
Schwierigkeiten, da sich die orthographische
Unterscheidung nicht in der Aussprache äußert.
Beispiele hierfür sind die Homophone
Fälle, der Plural von der
Fall, und Felle, das Haarkleid
von Säugetieren; das Substantiv Feld
wie in Ackerfeld und das konjugierte
Verb er fällt: Er fällt die
Bäume im Garten. Das Substantiv der Held
(die Helden des Krieges) klingt ebenso wie
das Verb er hält: er hält
das Kind auf dem Arm; und das Adverb heute
ist homophon mit dem Plural des Substantivs
Haut, die Häute. Mit h oder ohne
h? Diese Frage stellt ein weiteres
schwieriges Problem der deutschen Rechtschreibung
dar, da sich die unterschiedliche Schreibweise
anhand der Aussprache ebenfalls nicht ausfindig
machen läßt. Mahlen leitet
sich von dem Substantiv die Mühle
ab und ist nicht zu verwechseln mit malen,
das die Bedeutung von zeichnen hat
und von dem Substantiv das Mal in der
Bedeutung Zeichen, Fleck abgeleitet
wird. Das Substantiv Lehre bezeichnet
die Zeit der Ausbildung und die Leere ist
die Bezeichnung für einen Raum, in dem
sich nichts befindet. Das Substantiv das Mal
bedeutet ursprünglich Zeitpunkt. Es klingt
identisch mit dem Substantiv das Mahl
in der Bedeutung Essen. Die Unterscheidung
zwischen s, ss und ß
stellt für Nicht-Muttersprachler ein
besonderes Problem dar, da der Buchstabe ß
(sprich sz oder scharfes s)
in anderen Sprachen nicht existiert. Die wichtigste
Unterscheidung zwischen s und ß
bereitet auch Deutschen immer wieder Probleme:
das oder daß zur Einleitung
eines Nebensatzes: Das Buch, das ich gelesen
habe, war äußerst fesselnd. In
dieser Funktion als Relativpronomen wird stets
die Form das verwendet. Als einen Nebensatz
einleitende Konjunktion mu§ jedoch stets da§
geschrieben werden: Ich glaube, daß
sich das Produkt gut verkaufen lassen wird.
Die Form er ißt gehört zu
dem Verb essen (er ißt sehr viel), und
die Form er ist zu dem Verb
sein, das auch als Hilfsverb zur Bildung
zusammengesetzter Verbformen gebraucht wird:
Er ist zu spät gekommen. Er ist Lehrer.
Die Form er reißt gehört
zu dem Verb reißen, das u.a.
die Bedeutungen zerreißen, durchtrennen
hat und mit der Riß verwandt
ist. Die Form reist leitet sich vom
Verb reisen in der Bedeutung eine Reise
machen ab.
Weitere Zweifelsfälle der deutschen Rechtschreibung existieren bei den
Unterscheidungen zwischen g und k,
s und z und zwischen i
und ie: Die Form er singt gehört
zu dem Verb singen (ein Lied singen),
während das Verb er sinkt von
sinken in der Bedeutung untergehen
stammt. Das Substantiv der Pilz ist
der Name einer Pflanze (im Wald Pilze sammeln),
während das Pils die Bezeichnung
für ein bestimmtes Bier ist.